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NRW-Erfahrungen sollen Impulse für neues Medienzentrum liefern

Wie können Bibliotheken und Kultureinrichtungen zu Orten werden, an denen Menschen gerne bleiben, sich begegnen und selbst aktiv werden? Über diese Frage hat sich der ostbelgische Medien- und Kulturminister Gregor Freches am vergangenen Mittwoch in Nettersheim mit NRW-Kulturministerin Ina Brandes ausgetauscht. Im Mittelpunkt des Arbeitstreffens standen die sogenannten „Dritten Orte“ und die Frage, welche Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen für die Weiterentwicklung entsprechender Strukturen in Ostbelgien interessant sein können.

Das Treffen knüpfte unmittelbar an den ersten Austausch der beiden Minister im Januar in Düsseldorf an. Damals hatten Freches und Brandes insbesondere über Kultur im ländlichen Raum und die Zusammenarbeit zwischen Nordrhein-Westfalen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft gesprochen. Der Besuch in Nettersheim war bereits damals als konkreter Folgetermin vereinbart worden. „Im Januar haben wir über gemeinsame Herausforderungen gesprochen. Dabei kamen wir schnell zum Konzept der dritten Orte. Heute konnten wir uns in Nettersheim anschauen, wie daraus konkrete Räume und Angebote entstehen. Genau dieser praktische Austausch mit unseren Nachbarn ist für uns wertvoll, weil wir in Ostbelgien vor ganz ähnlichen Fragen stehen“, erklärt Minister Gregor Freches.

Kultur, Begegnung und Beteiligung unter einem Dach

Nordrhein-Westfalen fördert seit 2019 mit dem Programm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ Einrichtungen, die Kultur mit Begegnung und gesellschaftlicher Beteiligung verbinden. Menschen sollen dort Angebote nutzen, eigene Ideen einbringen oder sich schlicht treffen und aufhalten können. Nettersheim gehört zur ersten Generation dieser geförderten Standorte. Ausgangspunkt der Entwicklung war das Literaturhaus, das schrittweise zu einem breiter aufgestellten Kultur- und Begegnungsort weiterentwickelt wurde. Bürgermeister Norbert Crump stellte den Gästen aus Düsseldorf und Ostbelgien die Kulturregion Nettersheim sowie aktuelle und geplante Projekte vor. Dazu gehören die Programme von Lit.Eifel und der Eifeler Jugendliteraturpreis, der auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft präsent ist. Beim Rundgang erhielten die beiden Minister zudem Einblicke in die Kunstausstellung „Natur sehen“ des Kulturbahnhofs Nettersheim und in die Tanzoffensive Nettersheim. Eine weitere Station war das „Kino 42“. Das Dorfkino zeigt besonders anschaulich, wie ein kulturelles Angebot zugleich zum Treffpunkt für die lokale Bevölkerung werden kann. „Entscheidend ist nicht das Etikett ‚Dritter Ort‘. Entscheidend ist, ob die Menschen den Ort tatsächlich annehmen. Dafür braucht es gute Angebote, offene Türen und die Möglichkeit, selbst etwas mitzugestalten“, so Freches.

Konkrete Parallelen zu Ostbelgien

Für die Deutschsprachige Gemeinschaft kommt der Austausch zu einem wichtigen Zeitpunkt. Anfang 2027 zieht das Medienzentrum an seinen neuen Standort in der Eupener Schulstraße. Dort werden die bisherigen Angebote rund um Bücher, Medien und Medienbildung um einen Bürgerempfang, eine Medienwerkstatt, Arbeits- und Lernplätze sowie offene Veranstaltungsformate ergänzt. Damit verfolgt die DG einen ähnlichen Grundgedanken: Menschen sollen an einem zentralen Ort Zugang zu Medien und Wissen erhalten, Unterstützung im digitalen Alltag finden und miteinander in Kontakt kommen. Freches: „Wir bauen in Eupen keine Kopie des Nettersheimer Modells. Aber wir können voneinander lernen. Wie schafft man einen Ort, den unterschiedliche Generationen nutzen? Wie verbindet man professionelle Angebote mit Beteiligung? Und wie sorgt man dafür, dass ein solches Konzept langfristig trägt? Genau diese Erfahrungen interessieren uns jetzt.“