Austausch in Eupen: Bahnstrecken und Dreiländereck im Fokus
Wie lassen sich Ostbelgien und das Stadtgebiet Aachen künftig besser miteinander verbinden? Diese Frage stand Anfang September im Mittelpunkt eines Arbeitstreffens zwischen dem Minister der Deutschsprachigen Gemeinschaft Gregor Freches und dem Aachener Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons. In Eupen sprachen beide Seiten über konkrete grenzüberschreitende Verkehrsprojekte, die Zusammenarbeit im Dreiländereck und gemeinsame Herausforderungen in der Grenzregion.
Ein Schwerpunkt war die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Verviers–Eupen– Stolberg. Bereits Ende Juni waren dazu Vertreter aus Belgien und Deutschland in Eupen zusammengekommen. Dabei wurde vereinbart, die Zusammenarbeit in einer deutsch belgischen Arbeitsgruppe fortzuführen und die Grundlagen für eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zu erarbeiten.
„Die Reaktivierung der Strecke zwischen Stolberg, Eupen und Verviers wäre ein starkes Signal für ein Europa, in dem Grenzen verbinden statt trennen. Wir wollen deshalb gemeinsam mit unseren belgischen Partnern ausloten, was möglich ist – bei der Bahn genauso wie bei anderen Fragen, die unsere Region unmittelbar betreffen. Der Vennbrand hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir auch in Krisensituationen schnell und unkompliziert über die Grenze hinweg zusammenarbeiten können,“ so Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons.
Für Freches ist entscheidend, diesen Prozess gemeinsam mit den Partnern auf deutscher Seite weiterzuführen: „Wer in Eupen lebt, arbeitet, studiert oder seine Freizeit verbringt, schaut bei Mobilität nicht an der Grenze auf die Landkarte. Aachen und Ostbelgien gehören für viele Menschen längst zu einem gemeinsamen Alltag. Unsere Verkehrsverbindungen müssen dieser Realität besser entsprechen.“
Verkehrsfragen gemeinsam denken
Auch die stark beanspruchte Schienenachse Aachen–Köln war Gegenstand des Gesprächs. Der Ausbau der Strecke und insbesondere die Diskussion um ein drittes Gleis haben unmittelbare Bedeutung für den gesamten Grenzraum. Denn bessere Anschlüsse Richtung Köln und darüber hinaus erhöhen zugleich die Attraktivität grenzüberschreitender Verbindungen aus Ostbelgien. „Neben dem Tourismus soll auch die euregionale Wirtschaft vom gesamten Bahnnetz profitieren,” so Aachens Oberbürgermeister Ziemons. Freches und Ziemons tauschten sich darüber hinaus über aktuelle verkehrliche Herausforderungen in und um Aachen aus. Dabei ging es um die Frage, wie Verkehrsplanung stärker über die Grenze hinweg abgestimmt werden kann. Besprochen wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls der deutsche Operationsplan Deutschland und die damit verbundenen Anforderungen an wichtige Verkehrsachsen und Infrastruktur im Krisenfall. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft steht dabei insbesondere der Informationsaustausch über mögliche grenzüberschreitende Auswirkungen im Vordergrund.
Zusammenarbeit im Dreiländereck
Neben der Mobilität ging es um die weitere Entwicklung des Dreiländerecks und die touristische Zusammenarbeit. An dem Austausch nahmen deshalb auch Vertreter der Tourismusagentur Ostbelgien sowie des Fachbereichs Tourismus teil. Auf Aachener Seite waren neben Oberbürgermeister Ziemons Vertreter aus Kommunikation und Stadtmarketing beteiligt. Beide Seiten wollen den direkten Austausch fortsetzen und bei Themen mit grenzüberschreitenden Auswirkungen frühzeitig aufeinander zugehen. „Unsere Nähe zu Aachen ist für Ostbelgien ein konkreter Standortvorteil. Entscheidend ist, dass wir diese Nähe politisch nutzen: mit besseren Verbindungen, abgestimmten Projekten und direkten Ansprechpartnern auf beiden Seiten der Grenze“, so Freches abschließend. „Das Dreiländereck ist für Aachen kein Randbereich, sondern zentraler Mittelpunkt unserer täglichen Lebenswirklichkeit und eine große gemeinsame Chance. Ob Wirtschaft, Tourismus oder zivile Verteidigung: Viele Herausforderungen machen an der Grenze nicht Halt und können deshalb auch nicht allein auf nationaler oder kommunaler Ebene gelöst werden. Der heutige Austausch hat wieder gezeigt, dass wir mit Ostbelgien einen verlässlichen Partner haben und dass wir diese Zusammenarbeit weiter intensivieren wollen,“ ergänzt Herr Dr. Michael Ziemons.